Geladene Hamburger

Nach dem kürzlichen Hauptstadtreport geht es jetzt in den Norden: Hamburg weist eine noch höhere Ladestationsdichte auf als Berlin, dennoch verlief mein Besuch in der Elbmetropole aus Ladesicht weniger erfreulich.

Dieses Mal stand die nächste Ladestation wirklich direkt vor der Ziel-Haustür. Ein großes, relativ neues Bürogebäude bei dem sich wieder einmal die Frage aufdrängt, wieso solche Bauten ohne Tiefgarage bewilligt werden, wenn drumherum schon Parkplatznot herrscht. An einen normalen Parkplatz war auch hier nicht zu denken. Wie üblich hatte ich noch genug im Akku um notfalls den nächsten Schnelllader zu erreichen, aber bei acht Stunden Aufenthalt wollte ich schon mit vollem Akku wieder losfahren.

Die Hamburger Ladestationen sind allesamt auf zwei oder vier Stunden maximale Ladezeit beschränkt. Hier waren es zwei Stunden, aber selbst die reichen aus um den Akku halb zu füllen. Hamburg Energie versorgt die Stromtankstellen übrigens mit reiner Windenergie aus der Region.

Abgerechnet wird fair pro geladener Kilowattstunde (kWh), egal ob mit Hamburg Energie Karte oder mit einem der Universalabrechner The New Motion oder Plugsurfing.

Falschparker

Die Ankunft war ernüchternd: Zwei Verbrenner - einer von weit her und ein Hamburger standen auf den reservierten Plätzen. Dahinter blieb eine Lücke, in der ich zumindest erstmal anhalten konnte ohne den Durchgangsverkehr zu behindern.

Das Parken auf einem Ladeplatz ist genau so verboten wie auf einem Behindertenparkplatz ohne entsprechenden Ausweis. Übrigens gilt das auch für E-Autos wenn diese gerade nicht laden. Die Hamburger Polizei ist bekannt dafür, sich um solche Fälle zu kümmern, also rief ich dort an.

Der freundliche Beamte lies sich die Kennzeichen geben und wollte versuchen, die Halter zunächst telefonisch zu erreichen. Das ist eigentlich die perfekte Lösung, denn ein bis zwei Stunden auf einen Abschlepper zu warten, lies mein Terminplan nicht zu. Dieses Mal erledigte sich sogar der Anruf von selbst, denn die Verbrenner-Fahrer tauchten noch während des Gespräches auf. Nicht aus Schuldbewusstsein, sondern weil sie losfahren wollten.

Mein freundlicher Hinweis auf die Ladesäule wurde von der Hamburgerin beantwortet: Mit der Androhung von Schlägen, sollte ich die Polizei rufen. Zumindest sie war sich ihres Fehlverhaltens bewusst, schien das Falschparken aber völlig normal zu finden.

Immerhin: Ich konnte laden und - mit zwischenzeitlichem Umparken auf einen frei gewordenen normalen Parkplatz - später meine Heimfahrt mit vollem Akku antreten. In der Zwischenzeit stand mindestens ein halbes Dutzend Verbrenner auf den Ladeplätzen.

Praxistest Stau

Hamburg verabschiedete sich mit einem kräftigen Stau auf dem Weg zur Autobahn: Rund anderthalb Stunden für 1,3km. So konnte ich unfreiwillig ermitteln, dass der e-NV bei Schrittgeschwindigkeit etwa 6km pro Stunde verbraucht. Mit der angezeigten Restreichweite hätte ich 24 Stunden im Stau stehen können ohne Laden zu müssen - nicht unbedingt etwas, dass ich praktisch ausprobieren möchte.

Grundsätzlich habe ich Verständnis für gestresste Nerven durch die Parkplatzsituation in den Städten, allerdings sind Ladeplätze für E-Fahrzeuge weit mehr als nur Parkplätze. In Hamburg ist die Beschilderung eindeutig und die Säulen sind kaum zu übersehen.

Zum Bericht aus Berlin...