Förderung für Dauerparker an Ladesäulen

Allego ist in der Vergangenheit durch viel Kreativität bei der Preisgestaltung aufgefallen. Mit seiner neusten Preisänderung fordert der Betreiber vieler Schnellladestationen an Autobahnen Fahrer von Elektroautos dazu auf, die eigenen Ladesäulen zuzuparken.

Pünktlich zum Jahreswechsel änderte Allego bereits letztes Jahr seine Preisstruktur: Gleichzeitig je 30 Cent pro kWh und pro Minute wollte das Berliner Unternehmen von seinen Kunden kassieren und lies damit die Preise für einen Ladestopp explodieren. Nach massiven Kundenprotesten ruderte das Unternehmen schließlich zurück und kassierte "nur" 69 Cent pro kWh - etwa das dreifache eines normalen Haushaltsstromtarifes - zuzüglich der Gebühren des Abrechnungsdienstleisters.

Zum Start in das Jahr 2018 gab es eine neuerliche böse Überraschung für alle Allego-Nutzer: Im neuen Jahr soll eine Ladung nur noch € 7,50 kosten - allerdings unabhängig von der Ladedauer.

Praxisbeispiel

Bei einem optimalen "Tankstopp" mit dem e-NV bedeutet das: Wir kommen mit ca. 20% Restladung an und laden bis ca. 80%. Die geladenen 60% der Akkukapazität entsprechen 14,4 kWh oder jetzt umgerechnet rund 52 Cent pro kWh. Das wäre sogar eine Verbesserung gegenüber der alten Preisstruktur. Deutlich schlechter sieht es bei einem kurzen Splash'n'Dash aus: Brauchen wir nur einen kurzen Stopp mit 10% Nachladen um zum Ziel zu kommen (oder bis das Kind von der Toilette zurück ist), dann werden € 3,13 pro kWh fällig. Immer zuzüglich Abrechnungsgebühr des Abrechnungsbetreibers.

Die Folge: E-Auto-Fahrer werden belohnt, wenn sie möglichst lange an einer der Allego-Säulen stehen. War es bisher einfach üblich, bei 80% den Platz zu räumen, wird in Zukunft viel öfter bis 100% geladen werden. Um so voller ein Akku (egal ob in einem Auto oder Handy) ist, um so langsamer kann er neue Ladung aufnehmen. Einen E-Auto-Akku von 80% auf 100% zu laden, dauert meist genau so lange, wie ihn von 0 auf 80% zu laden.

Die von Allego fast überall eingesetzen "Tanksäulen" verschärfen das Problem noch: Ladeabbrüche sind keine Seltenheit. Wie sieht es in Zukunft aus, wenn die Säule die Ladung von 20 auf 90% drei Mal unterbricht? Werden dann 3x € 7,50 = € 22,50 fällig oder wird Allego hier Kulanz walten lassen?

Bärendienst

Die Elektromobilität wird durch diese Entscheidung nicht gerade unterstützt. Neue E-Fahrer werden bei ihrer ersten Abrechnung eine böse Überraschung erleben und in Zukunft frustriert vor Allego-Säulen stehen, weil sich die durchschnittliche Ladezeit erheblich verlängern wird. Erst blockieren andere E-Fahrzeuge länger als notwendig oder sinnvoll die Infrastruktur und danach muss das eigene Auto länger dort stehen, um auf einen halbwegs akzeptablen Preis zu kommen. Leider sind die Allego-Standorte häufig noch alternativlos, weil in der Nähe eher selten andere Lademöglichkeiten bestehen.

Und sonst so?

An deutschen Autobahnen gibt es drei große Betreiber: Allego mietet Stellflächen auf Autohöfen an während Innogy und EnBW die Tank&Rast Rastplätze versorgen.

Innogy gibt den Strom derzeit noch kostenlos ab. Ob dieser von Tank&Rast, die mit den Ladekunden zusätzliche Umsätze erwirtschaften, gefördert wird, ist unbekannt. Die Säulen sind für die Abrechnung vorbereitet und werden auch kostenpflichtig werden - zur Preisgestaltung oder dem Starttermin ist allerdings noch nichts bekannt.

EnBW berechnet zwischen 35 und 40 Cent pro Minute jeweils zuzüglich Registrierungs-, Abrechnungs- oder monatlichen Grundgebühren. Alternativ gibt es auch dort ein Pauschalangebot für die Zahlung per EC- oder Kreditkarte. Die unterschiedlichen Preismodelle lassen sich durch die ladeunabhängigen Kosten und variablen Ladegeschwindigkeiten allerdings nicht vernünftig in einen Preis pro kWh umrechnen.