Berlin, Berlin

Es hält sich hartnäckig, das (falsche) Märchen von "zu wenig Ladestationen". Zwei deutsche Städte zeigen allerdings, dass es auch anders geht: Berlin und Hamburg verfolgen das Ziel einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur mit der notwendigen Ernsthaftigkeit. Ich habe beide kürzlich besucht.

Berlin

Be E-Mobil heißt die Kampagne der Hauptstadt, bei der mittlerweile jeder über die Homepage eine Ladestation vor der eigenen Haustür beantragen kann. Mein Ziel war Kreuzberg und an Parkplätze war dort nicht zu denken. Allerdings stand eine Ladesäule in der Nähe, bei der nur ein halber der reservierten Ladeplätze zugeparkt war. Ein E-Smart oder Twizy hätte dort noch laden können, aber ein zweiter e-NV hätte keine Chance gehabt.

Aber der Reihe nach: Von Hannover ging es morgens Richtung Berlin. An der A2 stehen genügend Schnelllader, um die Strecke auch mit dem kleinen e-NV Akku vernünftig zu schaffen. Kurz vor dem Berliner Ring verkündete das Navi dann freudig: "Stau voraus, +89 Minuten".

Mythos #1: Stau

In Berlin wollte ich mich mit Freunden treffen, die mit ihrem Verbrenner ebenfalls dort hin unterwegs waren. Mein angekündigter Stau hat bei ihnen für Sorgen gesorgt: Würde das E-Auto liegen bleiben?

Dabei ist ein Stau so ziemlich das beste, was der Restreichweite passieren kann. Durch die Rekuperation wird ein Großteil der beim Anfahren verbrauchten Energie beim Bremsen wieder in den Akku zurückgeführt. Gleichzeitig ist die Geschwindigkeit so niedrig, dass kein nennenswerter Luftwiederstand existiert. Im Stau macht mir der Zeitverlust viel mehr Sorgen als der Batteriezustand.

Ein Verbrenner verbraucht dagegen permanent Sprit. Im Stillstand läuft der Motor im "Leerlauf", aber er muss trotzdem versorgt werden. Jedes Anfahren kostet eine Menge Energie, die ein paar Meter weiter die Bremsscheiben abnutzt.

Die vom Navi vorgeschlagene Umleitung hat mit wenigstens einen Teil der anderthalb Stunden erspart und mich an einem eigentlich nicht eingeplanten Schnelllader vorbeigeführt.

Mythos #2: Ladezeit

E-Autos laden langsam. So langsam, dass die Verbrenner-Crew deutlich mehr Sorgen über meine Ladezeit hatte, als ich selbst. Keine zehn Minuten Pause reichten aus, um den Akku wieder über 50% Ladestand zu bringen - genug bis zum Zielort und notfalls auch zurück.

Weiter ging es nach Kreuzberg. Dort war nicht einmal von einem Parkplatz zu träumen, allerdings stehen drei Ladesäulen - zwei AC und ein Schnelllader - in wenigen Fußminuten Entfernung. Bereits die erste war frei und so stand der e-NV schließlich freudig schmatzend an einer Berliner Be-Emobil Säule. Wie die meisten wurde auch diese von Allego betrieben - ein Unternehmen, dass vor allem für seine fragwürdige Preispolitik bekannt ist.

Mythos #3: Elektromobilität ist teuer

Die Hinfahrt hatte mich insgesamt weniger als fünf Euro für über 300km gekostet.

Mit der bekannten NewMotion-Karte kostet die Ladung an den Berliner Säulen pauschal 6 Euro, über die Maingau-Karte wären es fünf Cent pro Minute gewesen. Nach fünf Stunden war es Zeit für die Heimfahrt. Ich musste keine Tankstelle suchen und dort anstehen, sondern konnte direkt mit vollem Akku losfahren.

Auf nach Hamburg...