Energiewende? Geschafft!

Am ersten Januar 2018 früh morgens passierte etwas, dass selbst Experten nicht erwartet hatten: Die Energiewende weg von konventionellen Kraftwerken die aus Kohle, Gas und anderen fossilen Brennstoffen Strom erzeugen, hin zu einer vollständig ökologischen und nachhaltigen Stromerzeugung ist geschafft.

Am Neujahrsmorgen brauchte Deutschland 40,995 Gigawatt Strom. Eine unvorstellbar große Menge, die aber vollständig aus Ökostrom bestand. 41,010 Gigawatt deutscher Ökostrom wurde um sechs Uhr früh produziert. 77% davon durch Windkraftanlagen an Land, weitere 8% durch Offshore-Windkraft. Biogas steuerte weitere 11% und Wasserkraft die restlichen 4% bei. Die Sonne war noch lange nicht aufgegangen, Solarstrom spielte noch keine Rolle, so die SMARD Strommarktdaten der Bundesnetzagentur.

Von drei Uhr nachts an lief Deutschland komplett auf Ökostrom, erst ab 7:00 Uhr wurden die konventionellen Kraftwerke wieder gebraucht - für weniger als 5% des Strombedarfs. Gleichzeitig lief die Solarstromproduktion an und erst ab 11:00 Uhr übernehmen fossile und atomare Energieträger wieder einen nennenswerten Teil der Versorgung.

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Verkehrte Welt

An der deutschen Strombörse in Leipzig fällt der Preis für eine Kilowattstunde (kWh) auf 7,6 Cent, allerdings unter Null. Wer an diesem Morgen Strom eingekauft hat, bekam dafür noch 7,6 Cent für jede verbrauchte kWh bezahlt. Schuld war nicht der gut regulierbare Ökostrom: Windräder können bei Bedarf angehalten werden und produzieren dann nicht mehr. Wasserkraftwerke und Biogasanlagen können ihre Produktion kurzfristig runterfahren, im Gegensatz zum Wind sparen sie ihr Wasser bzw. Biogas dabei auf um es später, wenn das Stromnetz wieder mehr Bedarf hat, zu verwerten.

Großkraftwerke, egal ob durch Kernspaltung, Erdgas oder Kohle angetrieben, lassen sich nicht so flexibel steuern. Sie sind es, die zunehmend nicht mehr als Absicherung, sondern als Problem gesehen werden. Die Daten der Bundesnetzagentur zeigen deutlich: Gas, Kohle, Atomstrom & Co. produzierten zusätzlich zum Bedarf 17,4 Gigawatt. Mehr als 1,3 Millionen Euro kostete alleine diese eine Stunde Überproduktion der behäbigen Riesen. Die Rechnung bezahlen die deutschen Stromkunden. Erst am Nachmittag kehrte wieder etwas Normalität ein: Ab 16:00 Uhr kostete Strom an der Großhandelsböse wieder Geld.

Eins von drei

Strom, Wärme und Verkehr sind die drei großen Baustellen der Energiewende. Während der Strom auf einem guten Weg ist - der Ökostrom-Anteil steigt von Jahr zu Jahr massiv an - nehmen die anderen Bereiche erst langsam Fahrt auf. Nach wie vor gibt es eine breite politische Unterstützung für Gasheizungen.

Im Verkehrssektor sieht es etwas besser aus: Elektrofahrzeuge erfreuen sich zunehmender Beliebtheit und immer mehr Deutsche liebäugeln bei der nächsten Anschaffung mit einer Abkehr von fossilen Treibstoffen. Zuletzt verkündeten VW und Opel die Beschleunigung ihrer elektrischen Bemührungen, Jaguar und Audi bringen in den nächsten Monaten die ersten Serienmodelle auf die Straße. Diese werden die Energiewende zweifach unterstützen: Sie reduzieren den Verbauch fossiler Energien und können ihre Batterien gezielt dann laden, wenn viel Ökostrom im Netz verfügbar ist.

Foto: distel2610 / Pixabay