Was kostet ein Elektroauto?

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Elektroautos sind viel zu teuer. Ein Tesla Model S gibt es kaum unter 100.000 Euro und ein VW e-Up kostet mehr als ein Oberklasse-Benziner. Stimmt das tatsächlich?

Eines stimmt auf jeden Fall: Ein Tesla Model S liegt aktuell bei 88.519 Euro. Nur nur ein klein wenig Zusatzausstattung und Teslas grundsätzlicher Weigerung, Rabatte zu geben, ist ganz schnell der sechsstellige Bereich erreicht. Die S-Klasse von Mercedes liegt als Spritfresser allerdings in genau der gleichen Liga und bringt weitaus weniger Serienausstattung mit (von der Optik wollen wir gar nicht reden). Hier wäre also eher die Formulierung angebracht: Ein Premiumklasse-Auto ist teuer und kaum unter 100.000 Euro zu haben.

Zurück zu Normalsterblichen

Unser Nissan Evalia e-NV200 kostet einjährig und als 7-Sitzer 28.000 Euro inklusive Sonderausstattung. In dieser Preislage finden sich gleich mehrere junge Gebrauchte. Neu liegt er nach Listenpreis ca. 10.000 drüber, von denen allerdings noch die Elektroautoprämie der Bundesregierung und die üblichen Rabatte abgehen. Einen genauen Vergleichspreis habe ich nicht, aber ohne Sonderausstatattung und zzgl. Batteriemiete habe ich drei Angebote knapp unter 30.000 Euro vorliegen.

Die Finanzierungsrate ist kaum ein Vergleichskriterium, denn hier haben wir uns einfach an der vom benzinbetriebenen Vorgänger orientiert.

Die Batterie ist in unserem Kaufpreis bereits enthalten und muss nicht mehr dazugemietet werden. Dadurch ergeben sich auch keine Mehrkosten, wenn wir mehr als die üblichen 10.000km pro Jahr fahren. Die Autoversicherung will 26 Euro pro Monat (kaum ein Unterschied zu jährlicher Zahlung). Bei 10.000km mit unserem Stromtarif rechne ich mit etwa 25 Euro pro Monat an Strom-Mehrkosten.

Unterwegs aufladen ist mindestens doppelt so teuer, aber an anderen Ladesäulen auch wieder kostenlos. Hier wage ich keine Schätzung, aber Langstrecken fahren wir ohnehin nur sehr selten.

Lege ich alle Kosten auf die 10.000km geplante Jahresfahrleistung um, kommen rund 46 Ct. pro Kilometer dabei raus. Bei 20.000km pro Jahr sind es noch knapp 26 Ct. und bei 100.000 (die wie nie erreichen wären) nur noch 7,6 Ct. Das ist in etwa so viel, wie ein 6-Liter Benziner an guten Tagen für Sprit bezahlt, an schlechten ist er deutlich darüber.

Was meint der ADAC?

Der größte deutsche Automobilclub bietet auf seiner Homepage einen Vergleichsrechner für die Gesamt-Fahrzeugkosten an. Dort wird fix von einem Neuwagen, 60 Monaten Haltezeit und 15.000km/Jahr ausgegangen. Dort wird für die Dieselversion der exakt der Preis von 46 Ct./km ausgerechnet, die elektrische Variante liegt mit 53 Ct. nur wenig darüber.

Für den Benziner spricht der Kaufpreis und daraus folgend auch der Wertverlust (für welchen bei Elektroautos noch keine nennenswerten Erfahrungswerte existieren). In allen anderen Kategorien liegt der E-NV 200 klar vorne: Etwa halbe Kosten beim Treibstoff, weniger Fixkosten, keine KFZ-Steuer - so weit keine Überraschung.

Interessant wird es bei den Werkstattkosten, denn Inspektion und Wartung kosten beim Verbrennermotor fast das Doppelte. Ein Elektroantrieb braucht keinen Ölwechsel, keine Kupplung, kein Getriebe oder Auspuff. Die Bremsen werden auch eher selten benutzt, was sich trotz des wesentlich höheren Neupreises deutlich bei den Reperaturkosten niederschlägt.

Fazit

Ein Auto kostet Geld, das steht unzweifelhaft fest. Die Zeiten, in denen ein Elektroauto sehr viel teurer als ein Benziner oder Diesel war, sind allerdings vorbei. Insbesondere gilt das, wenn man sich bei den jungen Gebrauchten oder Tageszulassungen umsieht - dann sind Elektroautos durchaus auf Augenhöhe mit Verbrennern oder sogar günstiger.