Ständig unterwegs: Alltag mit Elektroauto

Ein ganz normaler Familientag liegt hinter uns. Unzählige Kleinstrecken, aber eigentlich genau das, was einem "typischen Nutzungsprofil" in der Familie viel eher entspricht, als die so oft nachgefragte "maximale Reichweite".

Nicht optimale Rahmenbedingungen

Ja, ich gestehe: Heute habe ich weder auf Restkilometer, noch auf Stromverbrauch geachtet. Eco-Mode aus, Sitzheizung meist an und öfters auch die fulminante Beschleunigung unseres rollenden Überseecontainers genossen. Nicht ohne Verwunderung einiger anderer Verkehrsteilnehmer, die im Ort noch drängelten und sich am Ortsschild plötzlich wunderten, wo denn das weißes Etwas vor ihnen auf einmal abgebleiben ist.

Der e-NV steht derzeit auf "Alltagsbetrieb": Die Batterie läd bis 80% Füllstand, weil das wesentlich schonender ist als immer auf 100% zu bestehen und die aktuell (mit allen Annehmlichkeiten) angezeigten 84km reichen typischerweise auch.

Tagestouren

Morgens ging es unplanmässig zum Kinderarzt. Nur ein Dorf weiter, eine typische Kurzstrecke auf der das Auto kaum richtig warm wird. Nach viel Wartezeit (natürlich ohne vor Ort eine Ladesäule zur Verfügung zu haben) ging es die gleiche Strecke wieder zurück.

Keine Stunde steckte das Töff an der Schukodose ("Haushaltssteckdose", die von Nissan nur mit 10A = 2300W belastet wird), da kam der Taxi-Ruf: Unser Kleiner ist zur Krippeneingewöhnung und da das Auto beim Kinderarzt stand, mussten Mama und Kind von dort abgeholt werden. Nur ein paar Straßen vom Kinderarzt entfernt, aber für uns wieder ein Dorf weiter. Nach kaum zwei Minuten Standzeit neben einem reinen Gas-Auto ging es zurück nach Hause.

Nach dem Mittagsschlaf kam die Gegenrichtung dran: Der Kita-Vertrag musste zum Rathaus. Wieder nur ein paar Kilometer pro Strecke mit Wartezeit vor Ort in der das Auto die gerade erreichte Wärme wieder los wurde. Zu Hause kam es noch nicht mal an die Steckdose, denn das Nachmittagsprogramm rief: Rund fünf Kilometer hin, Kind beim Reiterhof rauswerfen und wieder zurück. Kaum eine Stunde später die gleiche Tour mit ein paar Kilometern mehr für einen kleinen Umweg.

In der Illusion, den Autotag abgeschlossen zu haben, habe ich ihn wieder gefüttert, aber das hielt nicht lange, denn das spontan ausgesuchte Abendessen erforderte einen Abstecher zum Supermarkt. Ladesäule dort? Fehlanzeige, dafür 15 Kilometer mehr auf der Uhr.

Fazit

Als sich der e-NV dann endlich zur Nachtruhe wieder schmatzend über den Stromstecker her machen konnte, standen 42 Kilometer Restreichweite auf der Anzeige. Damit sind wir nicht nur locker über den Tag gekommen, selbst ein gutes halbes Dutzend der "in der Nähe" befindlichen Ladesäulen hätten wir noch erreicht. "In der Nähe" bedeutet bei der äußerst spärlichen Verteilung in Niedersachsen in unserem Fall die hannoversche Innenstadt.

Im Alltag kommt es gar nicht so sehr auf die Maximalreichweite an - ob nun Elektroauto oder nicht. Ich würde darauf tippen, dass wir heute mehr Reichweitenkilometer mit Heizung & Co. verbraucht haben, als über die Reifen. Bei der Kurzstreckensammlung wäre unser guter alter Benziner allerdings auch auf mindestens 15 Liter/100km gekommen, wenn das mal reicht.